Mittelaltermagazin: Die Rekonstruktion eines Becherkachelofens im Museum Kyburg
von Werner Wild/Kantonsarchäologe
Schon in früheren Mitteilungen stellten wir den an der Winterthurer Metzgasse 1996 von der Kantonsarchäologie Zürich ausgegrabenen Kachelofensockel vor. Ausser dem Sockel standen für Überlegungen zum Aussehen des 1208 gebauten Kachelofens verziegelte Lehmstücke mit Abdrücken der Becherkacheln sowie 43 Kacheln zur Verfügung. Anlässlich der Neugestaltung des Museums Schloss Kyburg konnten der Hafner Fredi Mathys aus Seuzach und der Schreibende im Jahr 1999 eine Rekonstruktion aufbauen.
Auf dem in verkohlten Resten nachgewiesenen Holzrahmen steht der viereckige Feuerkasten. Da alle erhaltenen flachen Lehmstücke keine Kachelabdrücke zeigten, verzichteten wir auch beim Nachbau auf das Einsetzen von Kacheln im Feuerkasten. Dieser erhielt einen deckenden Lehmverstrich. Die Kuppel ist vollständig aus Lehm und Kacheln konstruiert, wobei die an den verziegelten Lehmstücken messbare Distanz zwischen den Kacheln eingehalten wurde. Dabei ereignete sich die Überraschung: Statt der rechnerisch ermittelten 85 mussten 144 Kacheln eingesetzt werden. Als Ofenabschluss dient eine von Fredi Mathys gefertigte Replik des an der Winterthurer Obergasse 4 geborgenen aus Lehm modellierten Kopfes.
Zwar ist der Kachelofen nicht funktionstüchtig, doch zeigt schon der frappante Unterschied zwischen den geschätzten und den tatsächlich benötigten Kacheln die Bedeutung eines Nachbaus auf. Zudem erhielt das Museum eine didaktisch wertvolle Bereicherung zum Thema Heizung im Mittelalter.
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